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EU-Register für digitale Produktpässe startet: Vertrauen in Mode wird zur Datenfrage

DressWise-Redaktion

Die nächste Glaubwürdigkeitsprüfung der Mode findet möglicherweise nicht auf einem Laufsteg oder in einer Kampagne statt, sondern in einer Produktdatenbank. Am 20. Juli 2026 startete die Europäische Kommission das Register für digitale Produktpässe samt Testumgebung. Damit wird eines der meistdiskutierten europäischen Nachhaltigkeitsinstrumente zu einem

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Die nächste Glaubwürdigkeitsprüfung der Mode findet möglicherweise nicht auf einem Laufsteg oder in einer Kampagne statt, sondern in einer Produktdatenbank. Am 20. Juli 2026 startete die Europäische Kommission das Register für digitale Produktpässe samt Testumgebung. Damit wird eines der meistdiskutierten europäischen Nachhaltigkeitsinstrumente zu einem praktischeren System für Unternehmen, die Produkte auf dem EU-Markt bereitstellen.

Für die Mode ist das relevant, weil Textilien zu den von der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte erfassten Produktgruppen gehören. Branchenspezifische Anforderungen und Fristen für Bekleidung müssen allerdings noch schrittweise eingeführt werden. Der digitale Produktpass ist als digitaler Behälter für Produktinformationen vorgesehen: Kennungen, Metadaten und weitere Daten, die Transparenz, Verbraucherinformation und Konformitätskontrollen unterstützen können. Die Produktdaten werden dezentral gespeichert; Wirtschaftsakteure müssen jedoch jeden Pass im EU-Register registrieren.

Das klingt administrativ, verschiebt aber den Schwerpunkt der Mode. Jahrelang stützten sich viele Nachhaltigkeitsaussagen von Marken auf weiche Begriffe wie verantwortungsvoll, bewusst, weniger belastend oder sorgfältig beschafft. Digitale Produktpässe drängen zu härteren Fragen: Woraus besteht das Kleidungsstück? Welche Wege hat das Material genommen? Welche Kennungen verknüpfen das Produkt mit verlässlichen Daten? Wer kann die Angaben prüfen, wenn Aufsicht, Recyclingbetrieb, Reparaturdienst, Händler oder Kunde sie benötigen?

Der Zeitpunkt ist wichtig, weil die EU auch ihre Regeln zu Produktabfällen verschärft. Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Bekleidung, Bekleidungsaccessoires und Schuhe nicht mehr vernichten. Es gelten begrenzte Ausnahmen, etwa bei Sicherheitsbedenken oder Produktschäden. Die Europäische Kommission schätzt, dass 4 bis 9 % der unverkauften Textilien in Europa vernichtet werden, bevor sie getragen werden. Ab Februar 2027 verlangen außerdem Offenlegungsvorschriften für entsorgte unverkaufte Konsumgüter ein einheitliches Format.

Zusammen entfernen diese Maßnahmen die Mode von einer Kultur, in der Überbestände still verschwinden können. Produziert eine Marke zu viel, kennzeichnet sie den Fasergehalt falsch, verliert sie Materialien aus dem Blick oder kann sie den Umgang mit unverkaufter Ware nicht erklären, geht es nicht mehr nur um ihren Ruf. Es wird zum Problem von Regelkonformität, Daten und Abläufen. Der digitale Produktpass ist deshalb mehr als ein Nachhaltigkeitssiegel. Er gehört zu einer Infrastruktur, die vage Produktaussagen schwerer aufrechterhaltbar machen könnte.

Jüngere Berichte zeigen, weshalb das zählt. Vogue Business berichtete am 16. Juli, eine Marktüberwachungskampagne der Europäischen Kommission habe in zehn EU-Mitgliedstaaten bei fast 40 % der geprüften Kleidungsstücke falsche Angaben zur Faserzusammensetzung gefunden. Besonders betroffen waren Mischungen synthetischer und natürlicher Fasern. Online gekaufte Teile hatten eine höhere Fehlerquote als stationär gekaufte. Für Käufer heißt das: Ein Etikett kann unzuverlässiger sein, als es scheint. Für Marken bedeutet es, dass Lieferkettenwissen nicht mehr bei jener Stufe enden darf, die das fertige Produkt versendet.

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Die Branche arbeitet bereits an einer gemeinsamen Sprache für diesen Wandel. Am 14. Juli kündigten Textile Exchange, Apparel Impact Institute, Cascale und ZDHC Foundation Version 2 der Supply Chain Taxonomy an: einen harmonisierten Rahmen für Textilien, Bekleidung, Leder und Schuhe. Sein Zweck ist keine Erzählung für Verbraucher, sondern Einheitlichkeit: klarere Prozessgrenzen, besser vergleichbare Daten, bessere Berichterstattung und weniger Doppelarbeit entlang der Lieferkette.

Hier wird das Thema über Europa hinaus relevant. Jede internationale Marke, die in die EU verkauft, muss die regulatorische Richtung beachten, auch wenn die Umsetzung stufenweise erfolgt. US-amerikanische, britische, australische, japanische oder koreanische Labels, die EU-Konformität als regionale Verwaltungsaufgabe behandeln, könnten feststellen, dass dieselben Daten auch anderswo helfen: bei Zolldokumenten, der Echtheitsprüfung im Wiederverkauf, Reparaturdiensten, Materialangaben, Großhandelsberichten und dem Verbrauchervertrauen.

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Der Wandel wird nicht schmerzlos sein. Kleinere Marken könnten mit Softwarekosten, Abstimmungsproblemen bei Lieferanten und dem Druck kämpfen, komplexe Materialinformationen in fremd entwickelte Datensysteme zu übertragen. Luxusmarken könnten befürchten, dass höhere Produktsichtbarkeit die Steuerung von Knappheit erschwert – besonders, weil das Vernichtungsverbot frühere Wege zum Umgang mit unverkauftem Bestand begrenzt. Mehrmarkenhändler müssen entscheiden, wie viele Produktinformationen sie vor der Aufnahme einer Ware von ihren Lieferanten erwarten.

Das für Verbraucher sichtbare Ergebnis könnte unspektakulärer ausfallen als erwartet. Ein digitaler Produktpass wird nicht jeden Käufer dazu bringen, jedes Kleidungsstück zu scannen. Seine eigentliche Wirkung könnte vorgelagert sein: Marken müssen mehr wissen, bevor ein Produkt auf die Verkaufsfläche kommt. Das nützlichste Etikett der Zukunft muss keine poetische Nachhaltigkeitsaussage sein. Es könnte ein scannbarer Datensatz sein, mit dem sich Fasergehalt, Pflege, Reparatur, Herkunft, Haltbarkeit und Informationen zum Lebensende leichter prüfen lassen.

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Die Erkenntnis lautet: Transparenz in der Mode wird technisch. Stil, Preis und Begehrtheit bleiben wichtig, doch die nächste Vertrauensphase hängt davon ab, ob Marken ihre Produktaussagen belegen können. Das neue EU-Register löst das Datenproblem der Mode nicht allein. Es verdeutlicht aber eine Entwicklung hin zu strukturierten, rückverfolgbaren Produktinformationen, die zur Überprüfung bereitstehen müssen.

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